Teil 1 - Berge und Dörfer

San Bartolomé de Tirajana

SEHENSWERTES
GESCHICHTE

Santiago de Tunte / San Bartolomé de Tirajana

 

Der Gemeindehauptort ist ein malerisches Dorf im weiten Tal von Tirajana, das sich sein romantisches, ländliches Flair erhalten hat. Die Kirche wurde Ende des 19. Jahrhunderts an der Stelle der Kapelle aus der Zeit der Eroberung errichtet. Auf der gegenüberliegenden Seite des Dorfplatzes befindet sich das Rathaus, ein Bauwerk im Kolonialstil, ebenfalls aus dem 19. Jahrhundert. Auf der Ostseite kann ein interessantes Brauchtumsmuseum, die Casa de los Yánez, besucht werden. In dem bürgerlichen Gebäude wohnte und ordinierte der Arzt des Dorfes, die vielen Zimmer und der Innenhof zeigen das ländliche Leben vor hundert Jahren. Hoch über dem Ort liegt der Friedhof, dessen neoklassizistisches Portal als Kulturerbe geschützt ist. Geschützt ist auch die Ursprungsbezeichnung der Weine aus der Kellerei Las Tirajanas, die unweit des Friedhofs liegt und Besucher mit Verkostungen lockt.

 

Fataga

 

Das kleine Dorf Fataga liegt auf halber Strecke zwischen Küste und Tunte im so genannten Tal der tausend Palmen. Warum der Barranco de Fataga den Beinamen erhielt, ist noch immer an der üppigen Vegetation rund um den Ort zu sehen. Das dafür verantwortliche Wasser fließt allerdings nicht mehr so beständig wie früher, als sogar genug vorhanden war, um eine Wassermühle zu betreiben. Nach erfolgreicher Restaurierung ist sie nun als Denkmal zu besichtigen. Im historischen Ortskern wird jedes Jahr Ende Juni das Aprikosenfest gefeiert. Zu dieser Zeit ist die Ernte schon vorbei. Früher einmal, so erzählen die Dorfältesten, fiel der Termin mit der Ernte zusammen, doch die Besucher der Fiesta plünderten regelmäßig die Aprikosenbäume, also entschloss man sich, die Fiesta auf einen weniger riskanten Termin zu verlegen.

 

Casa Condal Juan Grande

 

Das Herrenhaus der Grafen de la Vega Grande ist von den Besitzern teilweise als Museum hergerichtet worden. In übersichtlichen Bildern und an präzisen Informationstafeln kann die Geschichte der Gemeinde, der Familie und der wirtschaftlichen Entwicklung bis zum Tourismusboom verfolgt werden. Der Besuch beinhaltet eine Verkostung der Weine aus eigenem Anbau und ein hochwertiges gastronomisches Angebot im exotischen Garten des Guts.

 

Leuchtturm

 

Heute steht das Wahrzeichen von Maspalomas mitten zwischen Parks und Promenaden, Hotels und Einkaufszentren. Als der 56 Meter hohe Leuchtturm 1890 seine Funktion aufnahm, stand er so allein in der Landschaft, dass die ersten Wärter zwei Tage brauchten, um aus Telde in diese verlassene Ecke der Insel zu kommen. Seit vielen Jahren werden Pläne geschmiedet, das historische Bauwerk gewinnbringend für Touristen zu öffnen, bisher ohne Ergebnis.

 

Natur

 

Das gesamte Gemeindegebiet steht als Bestandteil des Biosphärenreservats Gran Canaria unter Naturschutz. Einen besonderen Schutz als Naturparks genießen die Dünen von Maspalomas und der Wald Pinar de Pilancones. In den Bergen von San Bartolomé de Tirajana gibt es ein ausgedehntes Netz von Wanderwegen, viele davon gut gekennzeichnet. In Touristeninformationsbüros werden Wanderkarten angeboten, im Internet gibt es ebenfalls Beschreibungen und Karten, zum Beispiel www.outdooractive.com/de/

 

Archäologie

 

Eines der bedeutendsten und in jedem Fall das größte Gräberfeld der Kanaren ist die Necrópolis de Arteara an der Straße zwischen Maspalomas und Fataga. Über 800 Gräber aus vorspanischer Zeit sind bisher auf den 37.000 Quadratmetern gezählt worden. Die archäologische Fundstätte ist täglich außer montags von 10 bis 14 Uhr geöffnet. Ein weiteres Gräberfeld musste dem Fortschritt weichen, denn es befand sich genau auf der Autobahntrasse der GC-1 auf der Höhe von Playa del Inglés. Die vor den Baggern in Sicherheit gebrachen historischen Knochen lagerten 25 Jahre lang in einer Gemeindehalle. 2005 hat die Inselregierung die Funde in ihre Obhut genommen und an Museen und Forschungseinrichtungen weitergegeben. Im Tal von Tirajana und an der Küste der Gemeinde gibt es viele Fundstätten – das Rathaus listet etwa 30 auf seiner Website auf –, die kaum gesichert und umso leichter zu besichtigen sind.

 

Über Sehenswürdigkeiten und Attraktionen aus jüngerer Zeit erfahren Sie in der nächsten Ausgabe von gran canaria olé im 2. Teil des Berichts über die Gemeinde San Bartolomé de Tirajana.

 

Das Gebiet um die heutige Gemeindehauptstadt San Bartolomé war bereits ab dem 4. Jahrhundert besiedelt. Tirajana, Tunte und Taidía waren kleine Dörfer der Ureinwohner. Am 24. August 1479, dem Namenstag des heiligen Bartholomäus, erlitten die spanischen Truppen eine schwere Niederlage im Talkessel von Tirajana. Die vorerst gescheiterten Eroberer legten darauf das Gelübde ab, eine Kirche zu errichten, sollten sie das Gebiet unter Kontrolle bringen. Fünf Jahre später wurde in diesem Tal die letzte Schlacht zwischen Guanchen und Spaniern geschlagen. Als die Verteidiger keinen Ausweg mehr sahen, stürzten sich viele von ihnen in die Schlucht, um der Versklavung zu entgehen. Einer der Schauplätze dieser Verzweiflungstat war die Fortaleza de Ansite im Tal von Tirajana. Die siegreichen Spanier hielten ihr Versprechen und errichteten eine Kapelle zu Ehren von Bartholomäus, um sie herum entwickelte sich das Dorf San Bartolomé de Tirajana.

 

In den folgenden Jahrhunderten tat sich wenig in den weiten Gebieten, die heute die Gemeinde San Bartolomé umfassen. Christoph Kolumbus soll 1502 auf seiner vierten Reise nach Amerika Wasser aus dem Teich von Maspalomas auf seine Schiffe gebracht haben. 1537 wird die Salzgewinnung in Castillo del Romeral erstmals erwähnt. Ansonsten widmeten sich die wenigen Bewohner der Landwirtschaft, bei der Viehzucht und Zuckerrohranbau dominierten.

 

1732 heiratete der Großgrundbesitzer Fernando Castillo seine Cousine Luisa Amoretto, die ihrerseits ausgedehnte Ländereien in die Ehe mitbrachte. Der spanischen König verlieh ihnen umgehend den Titel „Grafen von Vega Grande de Guadalupe“ und verbriefte damit die Herrschaft der Familie über riesige Gebiete im Süden von Gran Canaria, die 1774 durch eine Erbschaft vergrößert wurden.

 

Die absolutistische Herrschaft der Grafen wurde erst durch die spanischen Verfassung von 1812 eingeschränkt, durch die alle Orte mit mehr als 1000 Einwohnern den Status einer Gemeinde erhielten. 1813 bekam San Bartolomé eine eigene Pfarrei, bis dahin gehörte das Gebiet zur Pfarrei von Santa Lucía. 1834 wurden 2796 Einwohner in der Gemeinde gezählt, bis 1900 erhöhte sich die Zahl auf 4644. Zu dieser Zeit war San Bartolomé de Tirajana bereits als „Villa“ anerkannt. Königin Cristina verlieh der Gemeinde diesen Status auf Antrag des Rathauses und zollte damit der wirtschaftlichen und demografischen Entwicklung Tribut.

 

Im 20. Jahrhundert verlagerte sich das Geschehen an die Küste. Mitte der 1960er Jahre begann der touristische Boom auf Gran Canaria mit San Agustín, Playa del Inglés und Maspalomas als bevorzugte Destinationen tausender Pauschalurlauber. Im Hauptort der Gemeinde waren 2016 nur noch 622 Einwohner registriert, an der Küste zwischen Bahía Feliz und Meloneras lebten dagegen offiziell 27.203 Personen, von den permanent anwesenden zigtausenden Urlaubern ganz zu schweigen. Aber mehr dazu in der Januar-Ausgabe von gran canaria olé im 2. Teil des Beitrags über die Gemeinde San Bartolomé de Tirajana.

Zwischen Naturidylle und Ferienstadt

 

San Bartolomé de Tirajana ist in mehrfacher Hinsicht eine außergewöhnliche Gemeinde. Flächenmäßig ist sie die größte auf Gran Canaria und erstreckt sich von der Küste bis ins Zentrum der Insel. Sie ist das wichtigste touristische Ballungszentrum der Kanaren und dank dieses Wirtschaftsmotors eine der reichsten Gemeinden Spaniens. Die Gemeindehauptstadt hat mehrere Namen, San Bartolomé de Tirajana, Tunte, Santiago de Tunte und war eine der ersten Siedlungen der spanischen Eroberer auf Gran Canaria. In ihrer Nähe wurden die entscheidenden Schlachten zwischen Ureinwohnern und Invasoren geschlagen. Auch die Tourismushochburg an der Küste hat mehrere Namen, Maspalomas, Playa del Inglés, Meloneras und San Agustín heißen die Urlaubsorte, wobei die Grenzen zwischen ihnen meist fließend sind, denn die Küste ist auf über 20 Kilometer dicht verbaut. Das Gebiet wurde allerdings erst in den 1960er Jahren erschlossen, als die Insel von Reiseveranstaltern entdeckt und zum Traumziel für Pauschaltouristen hochstilisiert wurde. Sowohl die Dünen von Maspalomas als auch ein großer Teil des wenig besiedelten Hinterlands stehen unter Naturschutz.

 

Um eine übersichtliche und umfassende Präsentation der Gemeinde San Bartolomé de Tirajana zu sichern, haben wir den Umständen Rechnung getragen und zwei Artikel verfasst: In dieser Ausgabe wird dass ländliche, naturbelassene, alternative und rustikale San Bartolomé beschrieben, im zweiten Teil gehen wir auf die touristischen Zone mit all ihren aktuellen Entwicklungen und ihrer wirtschaftlicher Bedeutung ein.

 

Steckbrief

 

Einwohner: 53.829, davon 3.445 Deutsche,

310 Österreicher und 207 Schweizer (Stand: 01.01.2016)

Fläche: 333,13 km²

Fiestas:
San Fernando (30.05.), Santiago (25.07.),

San Bartolomé (24.08.)

Bürgermeister:
Marco Aurelio Pérez Sánchez

Web der Gemeinde: www.maspalomas.com